Der Pflegeberuf wird in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich erlernt. Von schulischen Ausbildungen über duale Bildungsgänge bis hin zu Studiengängen unterscheiden sich die Wege in den Beruf teilweise deutlich. Bei der Auswahl einer geeigneten Region für die Anwerbung von Pflege- und Gesundheitsfachkräften spielt die dortige Pflegeausbildung und die Aufgabenverteilung im Gesundheitswesen eine große Rolle. Dabei müssen Sie als Unternehmen oder Einrichtung zunächst die grundlegende Entscheidung treffen, ob Sie in einem EU-Land oder in einem sogenannten Drittstaat rekrutieren möchten.

Fachkräfte aus Ländern der Europäischen Union (EU)

Fachkräfte, die ihre Ausbildung in der EU gemacht haben, bekommen in Deutschland in der Regel automatisch ihre Anerkennung als Gesundheits- und Krankenpfleger/-in, sofern sie die notwendigen Deutschsprachkenntnisse nachweisen können. Detaillierte Informationen hierzu finden Sie im Internetangebot des zuständigen Regierungspräsidiums Darmstadt.

Fachkräfte aus Ländern außerhalb der EU (Drittstaaten)

Bewerber/-innen, die ihre Ausbildung außerhalb der EU abgeschlossen haben, müssen neben dem Spracherwerb in den meisten Fällen fachliche Defizite ausgleichen. Der Anerkennungsprozess dauert also länger und kostet mehr Geld. Auch ist das Risiko höher, dass die Fachkraft ihre Anerkennung nicht bekommt, z.B. wenn die erforderliche Kenntnisprüfung nicht bestanden wird.


Wir geben Ihnen hier einen ersten Überblick über die unterschiedlichen Ausbildungs- und Arbeitssituationen in einigen Herkunftsländern.
Im Rahmen einer individuellen Beratung durch das Team des ZIP Hessen können diese Informationen noch vertieft werden, damit Sie genau die künftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Blick nehmen können, die zu Ihrem Unternehmen passen.

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Bosnien und Herzegowina
Die Krankenpflegeausbildung in Bosnien und Herzegowina dauert vier Jahre und beinhaltet auch praktische Einsätze. Die Pflege- und Gesundheitsfachkräfte sind anschließend in Kliniken und in der Langzeitpflege tätig, finden aufgrund der Arbeitsmarktsituation im Heimatland aber oftmals keinen Job. Eine spezielle Ausbildung für den Bereich der Altenpflege gibt es nicht. Über das Programm Tripple-Win ist eine besonders einfache Anerkennung bosnischer Pflege- und Gesundheitsfachkräfte in Deutschland möglich.

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Brasilien
In Brasilien absolvieren Pflege- und Gesundheitsfachkräfte ein vierjähriges Bachelorstudium. Dabei stehen neben der Pflege von Kindern oder Senioren, der Versorgung von Trauma-Patienten psychisch kranken Personen auch Themen der Gesundheitsvorsorge auf dem Lehrplan. Die Pflege- und Gesundheitsfachkräfte verfügen zudem über Fähigkeiten in der Planung und Organisation der Pflegeprozesse im Team.

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China
In China verläuft die Pflegeausbildung an spezialisierten Hochschulen. Pflege- und Gesundheitsfachkräfte sind anschließend vor allem in der Pflegeplanung und in der Begleitung von Therapien tätig, während die Grundpflege oft von angelernten Helferinnen übernommen wird. Die Anwerbung von Pflege- und Gesundheitsfachkräften aus China wird inzwischen von verschiedenen Pflegeverbänden gezielt unterstützt. Auch das Land Hessen hat mit der Provinz Hunan seit vielen Jahren eine Partnerregion in China.

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Italien
Die Krankenpflege wird in Italien im Rahmen eines dreijährigen Studiums erlernt. Pflege- und Gesundheitsfachkräfte sind anschließend dazu in der Lage, in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen zu arbeiten und können sich mit einem Masterstudium weiter qualifizieren. Dabei kann dann auch eine Spezialisierung auf den Bereich Gerontologie erfolgen. Eine reine Altenpflegeausbildung gibt es in Italien nicht. Im Verlauf des Studiums durchlaufen die künftigen Pflegefachkräfte auch Praktikumseinsätze und praktische Trainings.

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Mazedonien
Die Pflegeausbildung in Mazedonien dauert vier Jahre und ist eine berufliche Erstausbildung, die neben dem Fachunterricht auch viele allgemeinbildende Schulfächer umfasst. Ihre Fähigkeiten erproben die Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines 40-tägigen Praktikums in den Ferien. Die schulbegleitende Ausbildung endet mit dem Berufsabschluss und dem Abitur.

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Montenegro
In Montenegro ist die Pflegeausbildung als berufliche Erstausbildung organisiert und dauert insgesamt vier Jahre. Die künftigen Pflege- und Gesundheitsfachkräfte lernen an speziellen Schulen, die für die Praxisteile mit Krankenhäusern und Gesundheitszentren vor Ort kooperieren. Dort absolvieren die Auszubildenden jede Woche einige Praxisstunden, im 1. Ausbildungsjahr drei, im 2. Jahr vier und im 3. und 4. Jahr sieben Stunden pro Woche. In den ersten drei Jahren gibt es zusätzlich ein mehrwöchiges Praktikum in den Sommerferien. An die Graduiertenprüfung zum Ende der Ausbildung kann sich eine Meisterausbildung oder ein Studium anschließen.

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Philippinen
Die vierjährige Ausbildung zur Krankenschwester oder zum Krankenpfleger auf den Philippinen ist der deutschen Ausbildung sehr ähnlich. Sie umfasst jedoch auch Tätigkeiten wie das Blut abnehmen. Für die Anwerbung von philippinischen Krankenschwestern durch deutsche Unternehmen gibt es spezielle Vermittlungsabkommen, die eine Anerkennung vereinfachen.

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Polen
In Polen werden Pflege- und Gesundheitsfachkräfte im Rahmen eines dreijährigen Studiums an einer Hochschule ausgebildet. Das Studium kann an einer speziellen Berufshochschule oder einer Universität absolviert werden und schließt mit der Registrierung als Krankenschwester/ Krankenpfleger ab. Anschließend können sich die Pflege- und Gesundheitsfachkräfte zwischen zahlreichen inhaltlichen Spezialisierungsmöglichkeiten entscheiden, die größtenteils im Praxisbetrieb erlernt werden. Daneben gibt es eine zweijährige Helferausbildung an Berufsschulen und weiterführenden Schulen, die mit einem Pflege-Diplom abschließt. Die so ausgebildeten Altenpflegerinnen/ Altenpfleger unterstützen die Pflege- und Gesundheitsfachkräfte bei der Körperhygiene der Patienten, bei der Essens- und Medikamentengabe sowie bei der Mobilisierung.

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Rumänien
In der Pflegeausbildung in Rumänien spielen Dokumentation und Kommunikation neben den pflegerischen Fähigkeiten sowie den Untersuchungstechniken eine zentrale Rolle. Die Ausbildung dauert 3 Jahre, teilt sich zu gleichen teilen auf theoretische und praktische Inhalte auf und schließt mit der Berufsbezeichnung Krankenschwester/ Krankenpfleger ab. Sie ist inhaltlich und von der Struktur der Ausbildung der Pflegeausbildung in Deutschland sehr ähnlich. Zwar gibt es auch in Rumänien die Möglichkeit einer akademischen Pflegeausbildung, die meisten Pflege- und Gesundheitsfachkräfte lernen aber an einer Schule, die den Berufsfachschulen in Deutschland vergleichbar ist. Sie haben dann aber weitreichende Aufgaben, nehmen Blut ab, verabreichen Medikamente und gestalten die Visiten mit.

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Serbien
Die Pflegeausbildung in Serbien dauert vier Jahre und schließt mit einem Fachabitur ab. Rund ein Viertel dieser Zeit verbringen die angehenden Pflege- und Gesundheitsfachkräfte im Praxiseinsatz, also in Praxisabteilungen der Ausbildungsstätten oder in Kliniken und Arztpraxen.
Die Absolventen tragen dann Verantwortung bei der Pflege von Patienten, bei der Medikamentengabe und wirken zudem bei Diagnostik und Therapie mit. Pflege- und Gesundheitsfachkräfte aus Serbien können auf Grund eines speziellen Vermittlungsabkommens in Deutschland leichter anerkannt werden.

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Spanien
In Spanien werden Pflege- und Gesundheitsfachkräfte bereits seit Jahrzehnten an den Universitäten ausgebildet. Derzeit absolvieren sie ein vierjähriges Bachelorstudium, für das sich Bewerber mit einem jährlich stattfinden speziellen Test qualifizieren können. An den Bachelor-Abschluss können sich dann verschiedene Spezialisierungen in staatlich anerkannten Weiterbildungen anschließen, die zusätzlich zwei Jahre dauern. Die so ausgebildeten Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen haben in Spanien dann deutlich mehr Kompetenzen als ihre Kolleginnen und Kollegen in Deutschland. So gehört die Grundpflege in Spanien nicht zum Aufgabenbereich der Pflege- und Gesundheitsfachkräfte und wird durch Hilfskräfte übernommen.

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Venezuela
In Venezuela erfolgt die pflegewissenschaftliche Fachkräfteausbildung auf einem hohen Niveau im Rahmen eines vier- bis fünfjährigen Studiums. Die Pflege- und Gesundheitsfachkräfte arbeiten danach im klinischen und außerklinischen Pflegeumfeld und haben Fähigkeiten zur Medikamentengabe, der Grund- und Behandlungspflege, der Pflegeplanung und der Prophylaxen.